Zitat der Woche 07/2

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Als die künftige Kriminalautorin nun den beiden auf dem Weg über das Vexinplateau begegnete, drehte es ihr wieder, wie auch anders, den Kopf zur Seite, und zwar, wie anders auf freiem, weitem Feld, noch gewaltsamer als im Dorf, in Hausnähe; es fehlte wenig, und es hätte ihr den Schädel geradewegs nach hinten gerissen und ihr den Hals wie das Genick gebrochen (spezielle Mordart). […] Weit zurück in ihrer Jugend war sie einmal allein, wie jetzt in den Ferien, mit dem Zug in den Süden Frankreichs gefahren, eine weite Strecke, aus der Nacht in den Tag und zurück in die Nacht, so langsam waren damals die Eisenbahnen (und jetzt: »Eisen«, wo?). Irgendwann schlief sie ein und dann, gegen Mitternacht, am Ziel Bordeaux? Biarritz? La-tour-de-Carol an der spanischen Grenze?, wachte sie auf mit dem Kopf auf der Schulter des Mannes neben sich, eines Unbekannten, eines Soldaten. Tiefer hatte sie seitdem nie wieder geschlafen, schöner war sie seitdem nie aufgewacht. Eine Mordgeschichte schreiben? Die Stille des Landes für Horror mißbrauchen? Seine Weite mit Schrecken verengen? Weg mit den Unheimlichkeiten. Heimliches, nicht Unheimliches. Das Geheimnis der Gegend, der Landschaft, nicht nur dieser hier, für eine mystery story verraten und verkaufen? Die Orte entwürdigen und verschandeln durch all das Falsche-Fährten-Legen? Unsinn über Unsinn. Ein Mörder, gleichwelcher, ein Mord, gleichwie: abgeschmackt. Dagegen ein Amoklauf .... eine Amokläufergeschichte ... eine grundlose, eine bodenlose ... eine Frau als Amokläufer ... die unerhörte Geschichte einer Amokläuferin ... du liebe Welt ... du liebes Leben!

 

Text(aus: Peter Handke: Die Obstdiebin oder Einfache Fahrt ins Landesinnere. Berlin: Suhrkamp 2017, S. S. 397f.)