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Der folgende Tag in Pazin war ein Sonntag, und über der Stadt wechselten die Gezeiten der Stille, wobei nichts als das Blasen der Tauben darüberhin herrschte, hoch oben in den Bäumen, vor allem den Zedern. […] Und jetzt ist das Lauten, ja, das Lauten der Tauben hoch in den Bäumen, auch im Reden der Menschen unten auf der Erde, so bestimmend geworden, auch so dringlich, als fühlten sie sich dort oben in den Wipfeln als die einzigen, und aus den Bäumen schneite es dann langsam von kleinen, weißen Federn, und eine der Tauben ließ sich, mit dem Schrei einer Krähe, hernieder und trippelte auf dem Bahnhofsvorplatz im Kreis, worauf sie hoheitsvoll, fast in der Senkrechten, zurück empor ins Laubreich flatterte, aus dem Gefieder etwas wie ein Flüstern oder wie ein Ausschütteln von Strohsäcken. Es waren das sehr helle Tauben mit einem dunklen Emblemstreifen auf dem Schwanzfächer, die Köpfe, zierlich, noch um einen Grad heller: Für sie gibt es tatsächlich nur sie. Wo bleiben die Spatzen von Pazin? Und ich schaute nach diesen im Kreis, und schon wirbelten sie zuhauf aus dem Staub – Sonntagsschöpfung –, während nebenan eine Taube, kopfruckend, Stroh im Schnabel, ihren Bereich abging und dann nur noch ein schneller Schatten hin durchs sonnige Laub war, während auf dem Wachstuchtisch des Bahnhofsbuffets, getränkefleckig, das bisher unbeachtete Saugen der kleinen und großen Fliegen stattfand.
(aus: Peter Handke: Die Tauben von Pazin. In: Ders.: Noch einmal für Thukydides. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2007 (1990/1995), S. 11–13.)