Zitat der Woche 04/4

Achtung: dieser Eintrag ist nicht mehr aktuell!

Ich: »Was ist das?« –Gregor: »Ein Teil vom Feiertagsanzug, dem einzigen, meines jüngsten Bruders, Benjamin. Der Rock hat zuhause im Gewandkasten auf dich gewartet, bis die Zeit reif wäre. Steh auf, Nachfahr.« Ich bin stracks von der halb im Jaunfeld versunkenen Bank aufgestanden. Gregor: »Die Hände aus den Taschen, Patenkind. Die Arme breit. Und hoch das Herz!« Er legt mir den Rock an. Aber sowie ich links und rechts hineinschlüpfe, zerschleißt der augenblicks, zerfällt zu Staub, hängt mir in Fetzen vom Leib. Und während ich so mit ausgebreiteten Armen stehenbleibe, höre ich von meinem Vorfahren: »Jaunfeld: Motten und Blutegel. Blei und Glimmer. Wasserläufer und Kuhmist. Meßkelch und Hühnerleiter ...« Und dann falle ich mit ein: »Maiandachten und Totenglocken. Waldbunker und Fliegenpilze. Blaue Arbeitshosen und rote Auferstehungsmäntel. Fastentücher und Hakenkreuze. Holzschuhe und Mausefallen. Hasen und Himbeeren. Zajci in maline. Buchweizen und Kalender. Ajda in koledar. Rüben und Regenbogen. Repice in mavrice. Sonne und Schnee. Sonce in sneg ...«

 

ein Schild an der Seite eines Gebäudes(aus: Peter Handke: Immer noch Sturm. Berlin: Suhrkamp 2010, S. 160–161.)