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Eine klare, frostkalte Nacht Anfang Januar an der Peripherie einer nordwestlichen Hafenstadt. Wie hieß die Stadt? Name des Landes?
Das erste Frühflugzeug als Blinkspur neben den starr funkelnden Wintersternen, und als drittes jetzt ein Streichholz angerissen über den ganzen Himmel und schon wieder erloschen: eine Januarsternschnuppe.
Sie hörte nun klar einen Kuckuck rufen, mitten im Januar, der Nachhall aus einem Traum.
Wundersames Gehen: unter den Füßen noch der sohlendicke Reif, der knirschte und knarrte, wie kein Schnee je knarren und knirschen konnte (nicht nur so viel leiser, sondern auch so viel ferner, oder traumhafter) – und zu Häupten in den Kronen das Biegsamwerden und vom Reifweiß zum Fließwasserschwarz-Wechseln im sacht wehenden Auftauwind. Und in den kahlen Edelkastanien die stacheligen, längst geöffneten Fruchtschalen, aus denen aber immer noch hin und wieder eine der monatelang dort oben verbliebenen, von den Schalen bis jetzt gehaltenen Maronen fiel, heller als die auf dem Waldboden verstreuten, und nicht aufgeweicht oder angefault wie diese, sondern hart und gesund, mit frischem, gelb weißem Fleisch. Was, Eßkastanienfallen im Januar? Ja. Sie weiter zum Autor: » Was ist die Zeit? Immer noch wundere ich mich über sie, wie damals im Dorf.« Die zauberische Montagsleere, Wochenanfangsleere in den Wäldern.
(aus: Peter Handke: Der Bildverlust oder Durch die Sierra de Gredos. Frankfurt: Suhrkamp 2002, S. 8, 14, 73, 64.)